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Lauftreff-Hannover.de in Breslau / Polen
- Bericht von Jens Tielemann (Tag 1 und 2) und Andreas Schuster (Tag 3 und 4) -

Harald Andreas Jens Kerstin Christian Max Helmut Reinhold Jürgen Berno Rudolf

Lauftreff-Hannover.de in Breslau 2015

Strecke
Nachtlauf von Breslau 2015


LAUFTREFF-HANNOVER.DE in Breslau / Polen
Vor dem "Nachtlauf Breslau"
(v.l.): Andreas, Reinhold, Harald, Jens, Jürgen, Max, Kerstin, Berno, Helmut und Rudolf
(knieend: Christian)

Harald 01:38:30
Andreas 01:38:44
Jens 01:39:08
Kerstin 01:42:29
Christian 01:49:20
Max 01:50:08
Helmut 01:50:28
Reinhold 01:52:46
Jürgen 01:57:53
Berno 01:58:52
Rudolf 01:58:56


1. Tag: 19.06.15 Fr. (Hannover - Berlin - Breslau)

Tagesmotto: "Zapraszamy do Wroclawia"

Die diesjährige Laufreise führte den "Lauftreff-Hannover.de" - vertreten durch Kerstin, Andreas, Harald, Helmut, Jürgen, Reinhold, Berno, Rudolf, Christian, Max und mich (Jens) - zum Nacht-Halbmarathon nach Breslau (polnisch: Wroclaw). Die meisten von uns waren zum ersten Mal in Polen und, so viel vorab, die mit diesem Land verbundenen Klischees sollten sich im Endergebnis bei uns (mehr oder weniger stark) revidieren.

Aber der Reihe nach...

Wir starteten mit der Bahn nach Berlin und bestiegen dort den (ausgebuchten) IC-Bus nach Breslau. Nach ca. 1,5 Std. nervigem "stop and go" im Berliner Stadtverkehr erreichen wir gegen 15:00 Uhr die polnische Grenze und gegen 17:00 Uhr (über eine Rumpel-Autobahn) Breslau, deren Randbezirke stark an eine "typische Ostblock-Stadt" erinnern (graue, abgeblätterte Hochhaus-Silos).

Nachdem auch Max alle seine Sachen zusammen hatte, begaben wir uns zu Fuß vom Bus-Bahnhof zu unseren "B&B Hotel" in der City. Für nur ca. 30 € / Nacht (mit gutem Frühstück) wird hier eine einfache, aber sehr saubere (und mit Top-WLAN ausgestatte) Unterkunft angeboten. Nach dem Bezug der Zimmer (5 Doppel- und 1 Einzelzimmer für Kerstin) begaben wir uns zu Fuß zur Straßenbahn-Haltestelle und machten uns auf dem Weg zum "Olympia Stadion" (Breslau sollte 1938 ursprünglich die Spiele austragen und nachdem alle Anlagen fertiggestellt wurden, kam leider bekanntlich alles anders...) zur Abholung der Start-Unterlagen.

Die Anmeldung zu diesem Lauf stellte uns im Vorfeld vor einigen Hürden und kostete ziemlich viele Nerven, weil auf der Homepage des Veranstalters alles ausschliesslich auf polnisch stattfand. Kein Wunder, dass nur ca. 30 (!) Deutsche unter den 7.500 StarterInnen zu finden waren. So schwierig das alles im Vorfeld auch war: in Summe sollte alles Folgende hoch-professionell (ja fast einzigartig gut und vorbildlich) organisiert sein. Für eine Start-Gebühr von 17 € konnten wir neben unserer Nummer noch u. a. ein Funktions-Shirt, ISO-Getränke, Energie-Riegel, Mais-Chips etc. in Empfang nehmen. Eigentlich lohnt es sich schon nur wegen des Starter-Packs nach Breslau zu fahren :-).

Mit der Straßenbahn zurück, stiegen wir in der Nähe der Altstadt aus. Auffällig war hier direkt, wie extrem sauber und aufgeräumt die Stadt ist und wie viele historische Gebäude zu bewundern sind (mehr dazu sollten wir am Samstag bei der Stadtführung erfahren).

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Altstadt Breslau

Im im Vorfeld ermittelten Restaurant-Tipp "Kurna Chata" aßen wir dann, zu "Preisen wie damals" (Bier 0,5 ca. 1,80 €) ganz hervorragend und originell (bspw. Brotsuppe, d. h. Suppe im Brot) zu Abend. Den einen oder anderen Magendurchbruch behandelten wir direkt vor Ort mit polnischem Limetten-Schnaps.

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Brotsuppe (jetzt ohne Suppe)

Gegen Mitternacht begaben wir uns in unsere Betten.

2. Tag: 20.06.15 Sa. (Breslau)

Tagesmotto: "... überall Zwerge ..."

Der Tag begann mit Kopfschmerzen und einigen anderen Nachwirkungen vom Vorabend :-(.

Nach dem Frühstück sah die Welt aber schon wieder viel besser aus.

Um 10:30 Uhr trafen wir den perfekt deutsch sprechenden und sehr sympathischen Piotr am Marktplatz zur 2,5 stündigen (kostenlosen, auf Spendenbasis angebotenen) Stadtführung mit dem einen oder anderen (auch ungeplantem) Highlight. Einige interessante Details zu Breslau: von den ca. 630.000 Einwohnern sind 1/5 Studenten. In der Stadt, der es wirtschaftlich sehr gut geht, gibt es nur ca. 5 % Arbeitslose und überhaupt keine Bettler / Obdachlose. Überhaupt: Polen hat sein Bruttosozialprodukt / Kopf seit Beginn der EU-Mitgliedschaft verdreissigfacht (!). Was für eine Erfolgsstory. 2016 ist Breslau übrigens die Kulturhauptstadt Europas.

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Stadtführung

Neben allen positiven Dingen muss aber auch erwähnt werden, dass in der Stadt "Zucht und Ordnung" herrscht. Eine auffällig hohe Polizei- und Überwachungskamera-Präsenz ahndet bspw. das bei "rot über die Ampel gehen" direkt mit 25 €. Alkohol auf der Straße trinken ist streng verboten und steht ebenfalls unter Strafe.

Mitten während der Stadtführung wurden wir, nur einige Meter entfernt, Zeuge einer Verfolgungsjagd der Polizei. Nachdem im Spurt eingeholt, wurde der Mann nicht gerade zimperlich und aufgrund des Polizeigriffs vor Schmerzen schreiend in den Polizeiwagen verfrachtet. Piotr hatte das übrigens nicht für uns als "Goodie" organisiert... ;-); ...vielleicht noch zwei (kurze) interessante Anekdoten von der Stadtführung:

Polen hat die zweithöchste Apfelproduktion der Welt (nach China). Aufgrund des EU-Embargos nach Russland im Rahmen der "Ukraine-Krise" sind die Polen nun auf 1/3 der Äpfel sitzen geblieben. Dieses wird aktuell mit dem Slogan "one apple a day keeps Putin away" beworben.

In Breslau trifft man häufig Skulpturen von Zwergen an, die sog. "Breslauer Zwerge". Sie stellen eine der Hauptattraktionen der Stadt dar und sind quasi ihr Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal. Die polnische Oppositionsbewegung "Orange Alternative" hatten in den 1980er-Jahren aus Protest gegen das kommunistische Regime den "Papa Zwerg" in der Altstadt aufgestellt und in den Folgejahren kamen immer mehr Zwerge dazu.

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Zwerg

So, nun zurück zum eigentlichen Zweck der Reise ;-).

Nach der aufregenden Stadtführung teilte sich die Gruppe in Kaffee, Kuchen, Italiener, Bett und / oder Kultur (Andi). Im wesentlichen ging es darum, möglichst Kräfte für den um 21:00 Uhr beginnenden Nachtlauf zu schonen. Auf dem Dom (Fahrstuhl) hatte man einen tollen Rundblick auf Breslau.

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Blick auf Breslau vom Dom

Um 19:30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zum Start. Anreise, Abgabe der Klamotten und die Einreihung im Startblock verliefen perfekt. Warum Kerstin sich allerdings mit ihrer Ziel-Zeit von 1:40 Std. in den 2:00 Std.-Block stellte, wird ihr Geheimnis bleiben. Das Überholen kostete auf den ersten Kilometern viel Kraft.

Bei 12 Grad und damit bei idealen Bedingungen ging es um 21:00 Uhr los. Der Lauf führt ausschließlich über Asphalt (teilweise Kopfsteinpflaster) durch die Innenstadt. Die Stimmung war super. Für besonderes Ambiente sorgten die beleuchteten Brücken über die Oder und die Seitenkanäle. Kritikpunkte / Ausreden: keine. Fazit: absolut empfehlenswert.

Wir kamen alle gesund und (mehr oder weniger) munter ins Ziel und konnten eine schicke massive Medaille in "Zwerg-Form" in Empfang nehmen. Für Kerstin (s. o.) und Berno (Magenprobleme) wäre sicherlich noch mehr drin gewesen. Alle anderen waren am Limit bzw. machten vorher absichtlich einen auf "Tiefstapler".

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Medaille in "Zwerg-Form"

Nach dem Duschen auf dem Gelände und einer Nudel-Mahlzeit (ebenfalls in der Startgebühr vorhanden) fuhren wir gegen 0:30 Uhr mit der Straßenbahn zurück. Einige tranken noch einen Absacker in der Altstadt. Zwischen 02:00 Uhr und 02:30 Uhr lagen wir im Bett.

3. Tag: 21.06.15 So. (Breslau)

Tagesmotto: "Schöne Aussichten"

Nach der bedauernswerten Abreise von Kerstin und Jens waren wir zunächst planlos. Erste Touristenaktion am Sonntag war dann aber, passend zur personellen Zusammensetzung, ein Kurzausflug zum jüdischen Friedhof. Es kam sogar zur geschichtlichen Reflektion, nämlich am Grabe des Arbeiterführers Ferdinand Lassalle (1825-64). Dem Lauftreff kam dabei der niedersächsische Ministerpräsident zuvor, der bereits einen Kranz niedergelegt hatte, angesichts der missreißenden rhetorischen Art des Spitzenpolitikers wohl unbemerkt. Es war ein schöner aber langsamer Spaziergang, denn einige Läufer waren körperlich arg beansprucht. Max und Andi humpelten mehr als dass sie gingen.

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Jüdischer Friedhof Breslau

Technische Hindernisse standen im Weiteren einer Radtour im Wege, daher ging es am frühen Nachmittag mit der Bahn zurück in die Stadt. Auf dem Weg lag der Hauptbahnhof, eine Komposition aus Stahl und, vor allem, Holz. 1856 erbaut, war es einer der größten Bahnhöfe des Deutschen Reichs. Der Mittag schlug eine Schneise in das Team. Die müden Leistungsträger (Harald, Andi) zogen sich für eine Regeneration ins B&B Hotel zurück, während die Lustreisenden (alle anderen) einen Kaffee im jüdischen Viertel zu sich nahmen. Frisch gestärkt stiegen Rudolf, Helmut, Berno und Jürgen den Glockenturm der Elisabethkirche (304 Stufen) hinauf. Die Breslauer Altstadt war aus dieser Perspektive kaum weniger beeindruckend als unten. Auf einer Bühne am Fuße des Turms wurde das Tagesmotto zum wiederholten (aber nicht letzten) Male bestätigt, als angehende Modedesignerinnen Brautkleider zum besten gaben.

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Blick vom Glockenturm

Das eigene Alter diesmal unrealistisch einschätzend, mischte sich die Vergnügungstruppe unter die Jugend, auf einer der Pontoninseln am Oderufer. Bei 25°C und Sonnenschein entschädigte Breslau (mit seinen Brauereien) für die Strapazen des Vorabends. Ermuntert vom Anblick der Jugend charterten die Hobbyathleten einen Ausflugsdampfer. Verdient ist verdient.

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Bootsausflug auf der Oder

Den Tag beendeten wir wie bereits den Ersten gemeinsam im "Kurna Chata" bei Brotsuppe, Piroggi (gefüllte Teigtaschen), Gulasch etc. An Kalorien herrschte zu keiner Zeit Mangel. Auch an Bier nicht, das vorübergehend in ausrangierten Morstrichtgläsern serviert wurde. Diszipliniert wie das gesamte Wochenende über fand das Team gegen Mitternacht den Weg ins Bett (und nicht den Anwerberinnen der Nachtclubs hinterher). Was nicht ganz stimmt, denn Reinhold, Max und Berno konnten einer tschechischen Pinte nicht gänzlich widerstehen.

5. Tag: 22.06.15 Mo. (Breslau - Berlin - Hannover)

Tagesmotto: "Wie werde ich das Münzgeld los?"

Der eher regnerische Tag ist schnell beschrieben. Die Restenergie floss in den Einkauf von Mitbringseln für die Lieben daheim. Was kann man heute schon aus einer europäischen Großstadt mitbringen? Wenn auch die großen Shoppingzentren den deutschen fast zum Verwechseln ähnlich sehen, hat Breslau doch einen kleinen aber feinen Kunst-Einzelhandel in der Altstadt, wie vor allem den Ilustris-Laden mit tollen Sachen vom polnischen Grafikdesigner Adrzej Tylkowski.

Die Deutsche Bahn bereicherte den Tag um eine 1:20 stündige Verspätung. Wie auf Schiene, so auf Rädern. Harald musste deswegen nach einem gemeinsamen Abendessen im Berliner Hauptbahnhof auf den Nachtzug umbuchen.

Das Fazit der Laufreise 2015 jedoch ist: Sehr schön wars. Ob 2016 das toppen kann?