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Lauftreff-Hannover.de auf Spitzbergen / Norwegen
- Bericht von Jens Tielemann -

Sven Susanne Jens Martina

Lauftreff-Hannover.de auf Spitzbergen / Norwegen

Strecke
Halbmarathon Spitzbergen / Norwegen


LAUFTREFF-HANNOVER.DE auf Spitzbergen / Norwegen
Vor dem Halbmarathon auf Spitzbergen / Norwegen
(v.l.): Jens, Susanne, Martina und Sven

Sven 01:36:42 // 09./170; 1. Platz AK
Susanne 01:42:33 // 17./170; 2. Platz AK (3. Frau)
Jens 01:46:55 // 35./170; 6.Platz AK
Martina 01:51:19 // 52./170; 1.Platz AK


1. Tag: 31.05.18 Do. (Hannover - Hamburg)

Tagesmotto: "Sponsored by Eurowings"

Schon vor einigen Monaten hatte unsere ehemalige Mitläuferin Susanne die Idee, beim nördlichsten (Halb-)Marathon der Welt in Longyearbyen auf Spitzbergen (78 Grad nördliche Breite), ca. 3.000 km nördlich von Hannover, zu starten.

Gesagt, geplant, getan: mit Susanne, Martina, Sven und mir (Jens) startete der Lauftreff-Hannover.de "light" am Do., 31.05.18 gen Hamburg. Dieser Tag sollte dann auch denkwürdig werden.

Schon die Fahrt nach Hamburg zum Flughafen war mit fast 3,5 Std. alles andere als entspannend. Nachdem wir das Auto im Parkhaus verstaut und eingecheckt hatten, freuten wir uns bis genau 10 Minuten vor dem Abflug nach Oslo, von wo es noch am selben Tage nach Longyearbyen auf Spitzbergen gehen sollte:

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Flug-Annulierung von Hamburg nach Oslo

Die nächsten 2,5 Std. verbrachten wir dann in der Schlange vor dem Servicecenter, teilten unser Leid mit den anderen Flugästen und bewunderten die starken Nerven der Mitarbeiter. Immerhin konnten wir uns auf den nächsten Tag (08:00 Uhr) nach Oslo umbuchen lassen. Durch das Nicht-Ereichen des Anschlussfluges heute nach Longyearbyen mussten wir diesen allerdings neu für den Folgetag buchen (zum Glück gab es noch wenige Restplätze). Eurowings, das wird kein Spaß für Euch!

Die Nacht im 5-Sterne-Hotel "Grand Ellysee" an der Alster war dann nett, hätte aber kein Mensch gebraucht. Der Eurowings-Gutschein für Essen und Trinken wurde im Folgenden allein schon aus Prinzip bis zum allerletzten Cent ausgenutzt ("… was kriegt man denn hier noch für 1,85 €...?").

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Essen und Trinken bis der Gutschein leer ist

Dass ich meine Mappe mit den Reiseunterlagen exakt in dem ca. 2 cm-breiten Schlitz zwischen Boden und Fahrstuhl versenkte und diese dann in den Fahrstuhl-Schacht ganz nach unten fiel, passte irgendwie zu dem Tag. Kommentar an der Rezeption: "Respekt, da haben Sie aber gut gezielt, das schafft nicht jeder!". Nach der Außerbetriebnahme der Fahrstuhlanlage im Hotel und Öffnung des Schachtes, konnte ich die (leicht angestaubte) Mappe zum Glück wieder in Empfang nehmen.

2. Tag: 01.06.18 Fr. (Hamburg - Oslo - Spitzbergen)

Tagesmotto: "Oslo ist auch gar nicht mal soooo schlecht"

Die Nacht war kurz. Um 06:15 Uhr (ohne Frühstück natürlich) brachte uns das Taxi zum Flughafen. Das dort gerade eine Räumung aufgrund eines Bombenverdachts in vollem Gange war, ließ das Schlimmste befürchten (versteckte Kamera?).

Egal, irgendwie hoben wir doch fast pünktlich nach Oslo und hatten dann dort bis zum Folgeflug locker 12 Std. Zeit "totzuschlagen". Diese nutzten wir höchst produktiv für einen Besuch der norwegischen Hauptstadt bei traumhaften 30 Grad (in auf 0 Grad eingestellten Spitzbergen-Klamotten :-)).

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Oslo Hafen

Highlight war eindeutig das sehr entspannte Sitzen auf dem traumhaften Aussichtspunkt an der Festung "Akershus". Das kühle Bier war hier besonders lecker (und teuer)… und die vielen Schiffein- und ausfahrten sowieso sehenswert. Hier konnte man es sehr gut aushalten.

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Biergarten Festung "Akershus"

Um 21:45 Uhr hoben wir dann endlich, also 1 Tag später als geplant, nach Spitzbergen ab. Im Flieger fielen uns auch schnell die Äuglein zu… nach der Landung auf Spitzbergen um 0:50 Uhr brachte uns der Flughafenbus dann bei völliger Helligkeit zu unserer Unterkunft, die wir um 02:00 Uhr erreichten.

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Endlich angekommen: Blick aus der Wohnung in Longyearbyen (02:00 Uhr)

Nur noch 9:30 Std. bis zum Lauf.

3. Tag: 02.06.16 Sa. (Longyearbyen)

Tagesmotto: "Akklimatisierung wird überbewertet"

Auch diese Nacht war kurz..., vor dem Lauf um 11:30 Uhr mussten ja noch die Startunterlagen in der "Svalbardhallen" organisiert werden (Susanne und Sven waren so nett) und zeitig noch ein sehr bescheidenes Frühstück eingenommen werden.

Bei um die 0 Grad und leichtem Nieselregen (Oslo 30 Grad und Sonne) gingen wir dann mit insgesamt 170 StarterInnen zusammen auf die 21,1 km lange Strecke.

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Startbereich

Diese führt zunächst ca. 1 km bergauf (schnauf) und dann auf durchaus schwierigen Bodenverhältnissen (leicht angetauter Permafrostboden, schmierig-matschig) mehr (angenehm) bergab als bergauf. So waren die ersten 10 km ziemlich entspannt… - ganz im Gegensatz zu der 2. Hälfte. Hier ging es wirklich mit langen und kräftezehrenden Steigungen (teils im Matsch und auf Geröll) ordentlich zur Sache. Das hat bei allen die letzten Kraftreserven gefordert.

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Umso sensationeller waren die Ergebnisse: mit Susanne, Martina und Sven schafften es 3/4 auf's Treppchen (nur der arme Jens ging leer aus, war aber trotzdem zufrieden). Vor der eigentlichen Siegerehrung um 21:30 Uhr im "Huset" gab es direkt schon einmal die Medaille und die Urkunde, sowie Trinken und Essen.

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Rückweg zur Wohnung

In der Wohnung (airbnb) ruhten wir uns dann erstmal aus, später in der "Svalbar" gab es Pizza, Devil Burger, Dirty Fries und Bier (Sportlernahrung). Unsere Teller wurden so sauber gegessen, dass man sie direkt ohne Abwasch für die anderen Gäste hätte verwenden können.

Unsere Sieger bekamen dann später ihre verdiente Belohnung, in Form einer Glaskaraffe (oder so was ähnlichem).

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2. Platz Susanne (links)

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1. Platz Martina (mittig)

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1. Platz Sven (mittig)

Auf diesen Erfolg tranken wir am Abend noch das eine oder andere Bier ;-).

4. Tag: 03.06.16 So. (Longyearbyen - Pyramiden)

Tagesmotto: "Geschichte zum Einatmen"

Da die Möglichkeiten in Longyearbyen bzgl. Sightseeing und Outdoor-Aktionen sehr beschränkt sind (Bürgersteige hochgeklappt und Verbot des freien Bewegens ohne Bewaffnung außerhalb der Stadt wegen Eisbär-Gefahr, s. u.) buchten wir bereits am Vortag im Touristbüro eine Tour nach "Pyramiden" mit dem Highspeedboot.

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Auf dem Weg nach "Pyramiden"

Es handelt sich hierbei um eine russische Geisterstadt am Ende des Billefjords. Der Name kommt von einem pyramidenförmigen Berg, der hinter der Stadt aufragt. In der Gemeinde, die zum Kohlebergbau 1947 gegründet wurde, lebten bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1998 bis zu 2.000 Russen. Hier gab es u. a. ein Krankenhaus, Gewächshäuser, Viehställe und ein Schwimmbad. Heute steht Pyramiden als fast völlig intakte Geisterstadt in dieser arktischen und lebensfeindlichen Landschaft.

Um 12:45 Uhr wurden wir vom Tourguide abgeholt und zum Boot gebracht. Zusammen mit 60 anderen Menschen machten wir uns dann auf die ca. 2-stündige sehr beeindruckende Hinfahrt, vorbei an Bergen, Eis und Gletschern.

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Auf dem Weg nach "Pyramiden"

In Pyramiden wurden wir am kleinen Hafen von einer Russin im Empfang genommen, mit einem kleinen klapprigen russischen Bus zum Sammelpunkt gebracht und dann ca. 1,5 Std. in der Gruppe herumgeführt.

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"Pyramiden"

Bis zu 8 Russen leben heute noch in der Stadt...; diese halten das Notwendigste instand, damit die Touristen (in den arktischen Sommern bis zu 100 pro Tag) gefahrlos durch die Stadt gehen können. Man vermutet jedoch auch politische Gründe, warum Russland den Ort nicht aufgibt.

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"Pyramiden"

U. a. schaut hier noch Lenin vom zentralen Platz vor dem Kulturhaus über die Stadt. Alle Gebäude haben zumeist noch ihr vollständiges Inventar (im Schwimmbecken fehlt nur das Wasser, in der Sporthallen liegen noch die Fußbälle rum und die Kantine ist voll ausgestattet) - nur die Menschen fehlen.

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Lenin

In den Fenstern der ehemaligen Wohnhäuser nisten heute ganze Vogelkolonnien. Wir waren sehr beeindruckt, aber auch nachdenklich (betroffen) ob der Lebensbedingungen der ehemaligen Einwohner bei monatelanger Dunkelheit (bspw. war draußen zu spielen für Kinder wegen der Eisbären strikt verboten und für nicht Verheiratete herrschte strikte Geschlechtertrennung) und Eiseskälte.

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"Pyramiden"

In einem kleinen Hotel kann man sogar im "Sowjet-Style" zu gesalzenen Preisen übernachten. Vor einiger Zeit besuchte übrigens ein Eisbär die Küche, konnte aber ohne Personenschäden vertrieben werden.

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"Pyramiden"

Die Rückfahrt war dann leider alles andere als "schön" - zumindest für die nicht ganz so "Hochsee-tauglichen" (ein Highspeedboot kann wirklich schnell fahren…); einige Beluga-Wale waren jedoch noch ein Highlight. Die Landschaft sowieso.

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Tolle Eindrücke vom Schiff aus

Insgesamt ein toller Tag mit vielen Eindrücken, den wir wieder in der "Svalbar" ausklingen ließen.

5. Tag: 04.06.16 Mo. (Spitzbergen - Oslo - Hamburg - Hannover)

Tagesmotto: "Rückfahrt"

Der Tag der Abreise.

Das die Eisbären-Gefahr nicht nur "Panikmache" ist, zeigt folgender Vorfall vom gestrigen Sonntag, der sogar durch die deutsche Presse ging:

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Eisbär in Longyearbyen

Auf ganz Spitzbergen sieht man bewaffnete Menschen - im Supermarkt allerdings nicht:

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Waffenverbot im Supermarkt

Der Flug nach Oslo verlief sehr unruhig, letztendlich aber "erfolgreich". Unser Eurowings-Glück setzte sich dann leider fort: mit 2 Std. Verspätung hoben wir nach Hamburg ab und erreichten dann am frühen Morgen wieder unser zu Hause.

Auch wenn wir in Summe von Donnerstag bis Montag 19 (!) Std. auf verschiedenen Flughäfen verbrachten hat es sich eindeutig gelohnt. Das war eine ganz bemerkenswerte und einmalige Laufreise - wer kann schon von sich behaupten auf Spitzbergen beim nördlichsten (Halb-)Marathon der Welt gelaufen zu sein?