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Lauftreff-Hannover.de in Tallinn / Estland
- Bericht von Andreas Schuster -

Aktiv

Kerstin Harald Andreas Horst Christian Jürgen Martina Andrea Marco

Inaktiv

Sascha Alex Sven Jörg Max

Lauftreff-Hannover.de in Tallinn 2012


LAUFTREFF-HANNOVER.DE in Tallinn / Estland
Vor dem Halbmarathon in Tallinn / Estland
oben (v.l.): Harald, Andi, Horst und Christian
unten (v.l.): Kerstin, Jürgen, Martina und Andrea (es fehlt: Marco)

Marco 01:34:31
Horst 01:34:32
Andreas 01:45:30
Martina 01:46:49
Kerstin 01:48:34
Christian 01:49:58
Andrea 01:54:54
Harald 01:57:05
Jürgen 02:04:37


Die erste Laufreise in Osteuropa (außer Budapest und Berlin) war vor allem eins: ein Museumsbesuch. Estlands Hauptstadt Tallin, UNESCO-Weltkulturerbe, hat eine komplett erhaltene Altstadt zu bieten mit allerlei Bauwerken und Plätzen aus 800 Jahren. Als Hansestadt am Meer gelegen, zeigte sie sich im September 2012 bereits von ihrer kühleren Seite und so war an kurzärmelig bis zum Lauf nicht zu denken.

Aber zunächst stand nicht der Sport auf dem Programm, sondern das nackte Überleben. Nach einem reibungslosen Flug und einem erstaunten Sichten der Unterkunft ("wer soll diese Riesenbude bewohnen?") wurde eingekauft. Max riss sogleich die Initiative an sich und schnappte sich eine Gruppe starker Männer für einen Einkauf, den man sonst nur vom Großhandel kennt. Ein Einkaufswagen, bis zur Unkenntlichkeit beladen, stand eine Stunde später im Flur der oberen Wohnung, die mit der großen Küche, der Sauna, dem Balkon und dem geräumigen Spa-Bereich. Die teilte ich (Andreas) mit Harald, Marco, eben Max, Jörg, Jürgen, Christian und Horst. Aus der unteren, etwas kleineren Wohnung, kamen zum Abendessen und Frühstück regelmäßig Alex, Andrea, Kerstin, Martina, Sascha und Sven nach oben. Die Einkäufe standen unter dem Motto, das vor Jahren ein großer Sportler aus dem süddeutschen Raum geprägt hat: "EIER, EIER, WIR BRAUCHEN EIER!!!" Eier sollte es an diesem Wochenende in vielerlEI Variationen geben: Eier, gekocht, gespiegelt und gerührt (und geschlürft?). Jedenfalls Eier, und zwar viele davon.

Nachdem alle Vorräte in der Unterkunft gebunkert waren, zeigte bereits das nächste Organisationstalent sein ganzes Potenzial. Jürgen hatte in weiser Voraussicht ein Lokal reserviert, gleich am Rathausvorplatz im Angesicht des im 13. Jahrhundert gebauten gotischen Rathauses. Das war eine gute Entscheidung, vermied es doch zeitraubendes Diskutieren. Es schmeckte den meisten auch wirklich vorzüglich, aber das Highlight des Restaurants, darf man wohl sagen, war die Gästetoilette, die in einem ausgedienten Kamin untergebracht war. Den einen oder anderen quälten die ganze Nacht hindurch Albträume, bei lebendigem Leibe beim Geschäftsverrichten im Höllenfeuer zu schmoren.

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Lauftreff bei der Lieblingsbeschäftigung: Essen und Trinken

Danach begab man sich in die "Alte Hanse", die Lokal gewordenen Zünftigkeit, in der allerdings das gemeinschaftliche Singen nicht so gut ankam. Oder besser: unser gemeinschaftliches Singen nicht. Und so klang der Abend dann aus. Es floss in der Unterkunft noch reichlich Dosenbier, doch der Wodka blieb im Wesentlichen jungfräulich. Man hatte ja noch zu laufen...

Der Samstag stand im Zeichen der Wissenserweiterung. Was gibt's in Tallin denn alles zu sehen und seit wann? Die eine Gruppe verschaffte sich im Bus einen geführten Überblick, die andere auf dem Rad. Die Ziele dürften dieselben gewesen sein: Domberg, Stadtmauer, Wehrturm "dicke Margarete", Schloss Katharinental, Fährhafen, Kriegsdenkmal, das (im wesentlichen unbewachte) Präsidentenpalais, ja und der Sowjetknast mit seinem einladenden Charme. Übrigens summieren sich die Talliner russischer Herkunft auf 37% der knapp 420.000 Einwohner. Hätte sich wenigstens noch EINER zu überreden lassen, mit mir ins Okkupationsmuseum zu gehen, wäre noch mehr Wissen drin gewesen.... aber naja.

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Blick auf Tallinn

Ein paar Tropfen Regen und das plötzliche Verschwinden von H. J aus W. bei H. waren die einzigen Vorfälle zumindest der Radtruppe. Dieser tauchte bald wieder auf und damit ging auch dieser Tag seinem Ende entgegen. Vereinzelte Gruppen trieb es noch auf den Domberg, von wo sich ein wunderbarer Blick auf die Unter-(Alt)Stadt bot. Oder zum Pastaessen. Das Shopping-Erlebnis reduzierte sich doch enorm auf Bernstein, Schnitzereien, Stickereien und wieder Bernstein. Ich war bereits das zweite Mal in Tallin und habe wieder kein Mitbringsel gefunden.

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Tallinn-Altstadt

Am Morgen des Sonntags (09.09.2012), erschienen auffällig wenige Lauftreffler in Funktionskleidung zum Frühstück. Warum? Es liefen neben meiner Wenigkeit nur Harald, Kerstin, Horst, Martina, Marco (unter Jens' Namen, der wegen der Einschulung von Jonathan zu Hause blieb), Andrea, Jürgen und Christian mit. Ach ja, und 1.800 weitere Läufer aus aller Welt. Die Strecke war ausgesprochen reizvoll. Bei strahlendem Sonnenschein ging es schnurstracks auf den Hafen zu und danach eine gefühlte Ewigkeit die Talliner Bucht auf und ab. Versorgung und Stimmung waren hervorragend. Meinen ersten Lauf nach einer zweijährigen gesundheitlichen Pause, durfte ich ausschließlich mit einer Bruttozeit absolvieren. Die Zeitmessung erlaubte kein Netto, aber der Abstand im vollgepackten Startfeld hätte dies eigentlich geboten. Laut meiner Uhr gingen dabei gute vier Minuten drauf. Dafür durfte ich mich im Endspurt von Max (hoch zu Drahtesel) ziehen lassen, eine Motivation, die sich nicht für Geld kaufen lässt. Fast wäre er für das wiederholte Kreuzen der Laufstrecke in den alten russischen Knast gekommen. Mir hat es geholfen.